Kleine kreativ gefordert

Kleine kreativ gefordert

Historic Hotels of Europe kämpfen mit vielen Herausforderungen

Ein weltberühmtes historisches Hotel und Mitglied der Historic Hotels of Europe: The Badrutt''s Palace in St. Moritz.

St. Moritz/Sils. In 22 Ländern sind Gruppierungen der Historic Hotels of Europe vertreten. Sie ermöglichen es ihren Gästen, in versunkene Welten einzutauchen, zumindest aber in historischer Bau-Substanz zu logieren. Nicht alle sind "Schlosshotels und Herrenhäuser", so die Bezeichnung der in Österreich beheimateten Vereinigung. In anderen Ländern sind etwa umgebaute Industrie-Kathedralen zu finden – oder alte Wohnhäuser und Burgen. Prägend bleibt das Bild des altehrwürdigen Grandhotels, wie es das Schweizer Waldhaus Sils repräsentiert. Beim ersten HHE-Kongress im Waldhaus gab es jedoch auch viel über die grossen Herausforderungen der kleinen und mittelgrossen Privathotels zu hören.

"Für uns ist Gross gut. Sonst könnte es nicht so eine grosse Familie tragen", bemerkte Urs Kienberger, der gemeinsam mit der kinderreichen Familie seines Schwagers Felix Dietrich das 140 Zimmer grosse Waldhaus Sils bei St. Moritz führt und besitzt. Respekt hat Kienberger aber durchaus vor den vielen "Klein-Hoteliers", die bei ihm zu Gast waren: "Die schaffen eine Perfektion in den Details, die wir leider so nie erreichen."

Aus Österreich war u.a. Lydia Nemetz nach St. Moritz gereist. In ihrer mächtigen Burg Oberranna ist gerade einmal Platz für 13 Gästezimmer. Das Betreiben dieses Schlosshotels in der Wachau grenze trotz wachsender Nachfrage an Liebhaberei. "Unser Ziel muss sein, die laufenden Kosten herein zu spielen", formuliert Nemetz die Devise vieler der teilnehmenden Privathoteliers. Ohne zusätzliche Einnahmequellen gebe es kein Überleben. Zum Lohn steigt der Wert der Immobilie, die sich ein typischer Schlossbesitzer aber ohnehin nur von Raubrittern abjagen lässt.

Banken strafen Klein-Hoteliers ab

Diese können durchaus auch in Form von Bankiers in Erscheinung treten. So beklagen Sibylla und Jürg Degiacomi vom Chesa Salis in Bever bei St. Moritz, dass sie mit ihrem Landhaus, das nur eine Hand voll Zimmer plus Gourmet-Restaurant bietet, im zehnteiligen Kredit-Ranking der Banken auf Stufe neun stehen: "Zu diesen miesen Konditionen gewährt man uns die Darlehen gerne, weil wir bisher jeden Franken zurück bezahlt haben".

Klein, aber fein: Rosensuite im GasthofHotel Bären in Dürrenroth, Schweiz.

Viele der oft blaublütigen Hoteliers haben ihre "Oldtimer mit Betten" geerbt, andere kauften, um sich ihre Lebensträume zu verwirklichen.

Gerade im Osten Europas ist ein besonderer Typ von Historic Hoteliers zu finden: Sie erhielten oder kauften ihre einstigen herrschaftlichen Familiensitze zurück. Kay Wettstein von Westersheimb, Schweizer Architekturjournalistin, hat so Kastel Pechy im ost-slowakischen Hermanovce wieder zu Leben erweckt. "A Project in Progress", das sie teilweise von Zürich aus führt. "Um die Fixkosten im Rahmen zu halten, lagere ich aus, was irgend möglich", sagt sie. Köche, Reinigungskräfte - alle werden nur engagiert, wenn die sechs Zimmer belegt sind.

Ihre Klientel darf als typisch für viele der Betriebe gelten: Einerseits wird das historische Ambiente regional gerne für Hochzeiten genutzt, andererseits sind es häufig aus Übersee anreisende Menschen, die sich in die ehemalige Heimat ihrer Familien begeben. "Heritage Travel wird im Osten Europas, ebenso wie etwa im Salzkammergut, immer bedeutender", weiss Maximilian Eidlhuber, Präsident der Schlosshotels und Herrenhäuser, die von Salzburg aus auch Mitgliedsbetriebe in den "ehemaligen Kronländern", etwa Kroatien und Ungarn, betreuen.

Österreich und Frankreich prägten HHE

Gemeinsam mit seinem französischen Pendant Châteaux & Hôtels de France initiierte die österreichische Organisation Schlosshotels & Herrenhäuser die Gründung der „Europäische Vereinigung traditioneller Beherbergungsbetriebe“, welche als französischer Verein im Jahr 1998 offiziell ins Leben gerufen wurde. Den griffigeren Namen „Historic Hotels of Europe“ wählte der Dachverband einige Jahre später. Neben Edelkoch Alain Ducasse aus Frankreich standen der Gruppe bislang auch Präsidenten aus Italien, Irland, Österreich und Schweden vor.

Mit viel Liebe von einer Familie geführt: Chesa Salis in Bever bei St. Moritz.

Mit einem Jahres-Budget von nur 100.000 Euro ist HHE trotz 650 Mitgliedshotels keine Macht. So gibt es anders als bei den Romantik Hotels auch kein dickes Hotelbuch. Fast die gesamten finanziellen Kräfte werden in die elektronische Präsenz auf der Website von HistoricHotelsofEurope.com gesteckt. Jedes Mitglied muss in jedem Schriftverkehr den Verweis auf HHE mit transportieren.

Urs Kienberger, der auch im Wettbewerb mit Luxushoteliers steht, die ihre Immobilien "als Hobbys wie Rennpferde" erwerben, legte seinen "kleinen" Kollegen ans Herz: "Wir bringen Geschichte in die Gegenwart. Um zu überleben, müssen wir den Spagat schaffen: Als Unternehmer innovativ verändern, aber als historische Hoteliers das Haus bewahren". / Fred Fettner

 

8.4.2011 A story to tell - Historic Hotels of Europe beginnen pan-europäische Kooperation

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